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Geschichte (n)

Eine sehr schöne Geschichte gibt es zum Ohrberg zu erzählen.
Es fehlt an nichts: Waterloo, Heldentum, Liebe und blühende  Landschaften.

   Der Ohrberg liegt unmittelbar vor der Stadtgrenze von Hameln und ist als sehr reizvoller Park nach englischem Vorbild eingerichtet. In der Blütezeit der zahlreichen Azaleen und Rhododendren ist er mit seinen alten, großen Büschen besonders schön, aber die alten kostbaren Bäume und die Möglichkeit, weit ins Wesertal zu blicken, lohnen zu allen Jahreszeiten den Besuch.

   Die Einrichtung verdanken wir dem klugen Ungehorsam des Oberst von Hake und seiner erzwungenen Verbannung auf sein Gut Ohr, das im Tal an der Weser liegt und zu dem der Berg gehört.

   Aber der Reihe nach. In der Schlacht von Waterloo hatten die Cumberland-Husaren einen sehr ungünstigen Platz gegenüber der französischen Artillerie. Der Herzog von Wellington hatte ihnen zu Beginn der Schlacht diesen kleinen Hügel zugewiesen, auf dem die feindlichen Granaten schnell zu ersten Verlusten führten. Der Kommandeur, Oberst von Hake, ließ Wellington bitten, angreifen zu dürfen. Nachdem dies abgewiesen worden war und die Verluste stiegen, ließ von Hake ein weiteres Mal anfragen, ob, wenn er nicht angreifen dürfe, sein Regiment um etwa 300 Schritte in eine Talmulde zurückweichen dürfe. So wären die sinnlosen Verluste zu vermeiden. Wellington befahl stehen zu bleiben.
   Darauf hin ritt der Oberst von Hake vor seine Truppe und starrte ohne Unterlass geradewegs immer auf den Feind. Seine Soldaten im Rücken verstanden den Hinweis und zogen sich in das Tal zurück. Als  sich der Oberst nach einer Viertelstunde umsah, war er allein. Daraufhin schloss er sich wieder seinem Regiment an.

   Wellington ließ Hake vor einem Kriegsgericht anklagen, das ihn wegen Ungehorsams und Flucht vor dem Feinde zum Tode verurteilte. Der König von England wandelte das Urteil in lebenslange Verbannung auf das Gut Ohr um.

   So strafversetzt in seine Heimat, gestaltete von Hake nun den zu seinem Gut gehörenden Ohrberg in eine reizvolle Parkanlage um, die uns heute mit ihren alten Bäumen und gewundenen Wegen so erfreuen kann.  

   Zu den Motiven des Herzogs von Wellington weiß unsere Geschichte zu berichten, er habe beim Werben um die Gunst einer Dame des hohen englischen Adels gegenüber dem gutaussehenden von Hake einmal das Nachsehen gehabt.

(Entnommen ist die Geschichte dem Band von Bernd Bruns, Hameln. Ein Lesebuch. Husum, Husum Verlag, 1998.)

Erste Literatur zu Teilbereichen:

Kollmann, Georg und Ilse Kollmann-Gümmer, Sagen und Erzählungen aus Hameln.                                                                                Hameln: CW Niemeyer 1989.

Lampe, F.H. und F. Foss, Dat Hamelnsche ABC, Hameln: CW Niemeyer 1984.

Bruns, Bernd (Hrsg.), Hameln. Ein Lesebuch. Husum: Husum Verlag 1998.

Alle Informationen sind zusammengefasst auf der Site: www.weser1a.de