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Mäander

Die Rittermarke und das Musterbuch der Firma von Streit von 1913.
     Nachdem ich das Musterbuch mit der Marke von 1913 gesehen habe, erscheint mir eine Zuweisung der Gläser mit der Rittermarke an die Hütte “von Streit”  zweifelsfrei. Die häufige Verbindung der Rittermarke mit diesem Dekor (Mäander und Rosetten), wie auch umgekehrt das Weglassen der Marke, könnte mit Exportchancen zusammenhängen. So haben beispielsweise Porzellanmanufakturen ihre Marken kaufmännisch-strategisch eingesetzt. Auch der von Herrn Geiselberger angemerkte Verkauf der Hütte 1916 ist einschneidend genug, um die Verwendung der Marke zu überdenken.
Außergewöhnlich bleibt, dass den Abbildungen im Musterbuch eine große Zahl von Gläsern zugewiesen werden könnte, allerdings ohne dass diese gemarkt wären. Möglicherweise stammen die Gläser auch aus einer  früheren oder späteren Produktionsphase als 1913. Wir werden ja weiterhin nach Pressglas mit unterschiedlichen Dekoren und der Rittermarke suchen.
(Stand: 31.12.2000)

     Es folgt der Text für die Pressglas Korrespondenz 06-2000. Dort ist er im Zusammenhang der breiteren Diskussion nachzulesen. Das im November noch nicht vorliegende Musterbuch ließ die Fragen der Zuweisung noch offen. Inzwischen lassen sich Gläser, wie die unten gezeigte Platte, zu Abbildungen im Musterbuch von Streit (1913) in Beziehung setzen. Diese Angaben sind farblich abgesetzt.
Ich danke Herrn Geiselberger für die Übersendung des Musterbuchs.
Bis auf 2 Ausnahmen (blauer Sahnegießer, engl. und Schale mit Foto Gera) tragen alle abgebildeten Gläser eine Rittermarke.


 

 

Abb. 06-2000/103
Platte mit eingepresstem Schriftzug, Sammlung Franke, Nr. 948,
farbloses Glas, H 4,4 cm, D 35,5 x 23,3 cm, Marke: Rittermarke ohne Kreis, Deutschland, Ende 19. Jahrhundert
Aufschrift: "GENIESST IM BROD - DER AEHRE KRAFT - UND DANKET GOTT - DER SIE ERSCHAFFT."
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Modell Brotteller “Berlin” S. 11, Nr. 14.
 [Auf dem Teller selbst wird “Brot” noch in der älteren Schreibweise mit “d” geschrieben, im Musterbuch mit “t”, wie es der Rechtschreibreform von 1901 entsprach.]

Dr. Manfred Franke, Hameln -- November 2000

Das eigenartige Phänomen Rittermarke


 

Mit der Rittermarke ist ein eigenartiges Phänomen verbunden. Weitaus häufiger, als wir das anderswo finden, ist ein einziger Dekor  mit dieser Marke verknüpft: Mäander und Rosetten (die Bezeichnung ist einmal von mir gewählt worden und dankenswerter Weise von einigen Autoren in der PK übernommen worden. Die Hütten werden völlig andere Namen gewählt haben). Sehen wir ein Glas mit Mäander und Rosetten, so suchen wir als Sammler zuerst im Zentrum nach der Rittermarke. Geradezu als Besonderheiten  erscheinen die Ausnahmen: die schon in der PK erwähnte Henne bei Chiarenza / Slater 1998, Nr. 118 und ein Eimerchen mit Holzimitation in meiner Sammlung (Franke 1990, Nr. 770 d). Eine Schale zum Anrichten von halbierten Eiern trägt zwar den Mäanderdekor, aber keinen Rosettenkranz.

Nun ist die Pressglas Korrespondenz das richtige Medium, um weitere Stücke mit Rittermarke zu annoncieren.

Die übrigen bekannten Gläser mit der Marke im Zentrum tragen den Dekor Mäander und Rosetten, als stammten sie aus einem umfangreichen Service mit Schalen - rund, oval, eckig, auf Standring oder Füßen – und mit Tellern - rund und eckig - in verschiedenen Größen.

Die Marke ist freistehend, mit einem Kreis gefasst oder von einem Perlenkranz gerahmt.

Zudem gibt es gleiche und ähnliche Modelle, die im Zentrum, dort wo man die Marke zuerst vermuten würde, eine freie Stelle aufweisen,  also eine Aussparung im Dekor; bei einzelnen Teilen auch mit einem hervorgehobenen Kreis, aber ohne jegliche Marke versehen. Andere Marken als die des Ritters sind meines Wissens in Verbindung mit diesem Dekor noch nicht bekannt.

Auf Berliner Trödelmärkten waren immer wieder Gläser mit dem fraglichen Dekor zu finden. Dies und die Butterdose der Berliner Lebensmittelkette Gebrüder Manns legen es nahe, eine Berliner Glashandlung für den Verkauf der Gläser zu suchen. Allerdings hatten sehr viele Hütten eigene Niederlassungen oder wichtige Vertreter in  Berlin, so dass es schon fraglich ist, ob die Gläser aus einer deutschen Produktion stammen.

Schaut man über den Tellerrand, wird – wie meistens – die Angelegenheit etwas komplizierter.

Im tschechischen Katalog  Ceské lisované sklo, Gottwaldov 1972, Abbildung 18,ist eine sehr schöne Schale mit ungewöhnlicher  Dreiteilung abgebildet. Die Glashütte von Reich wird ins Gespräch gebracht („Asi Reichovy sklárny 1880-90“). Über eine Marke ist, soweit ich sehe, nichts gesagt.

Abb. 06-2000/104
Platte zum Anrichten von halbierten Eiern
Sammlung Franke, Nr. 311
farbloses Glas, H 4,0 cm, D 22,0 cm
Marke: Rittermarke ohne Kreis
Deutschland, um 1900
Möglicherweise ließ sich im Zentrum ein Einsatz für Salz hineinstellen. Die Perlen des Mäander-Dekors sind zum Rand hin tropfenförmig  nach unten gerichtet, damit eine ungeteilte Form benutzt werden konnte, die keine Formnähte aufwies.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Eierteller ... mit Salznapf,
S. 26, Nr. 33.

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 Abb. 06-2000/105
Schale auf drei Füßen
Sammlung Franke, Nr. 310
farbloses Glas, H 9,7 cm, D 21,5 cm
Marke: Rittermarke ohne Kreis
Deutschland, um 1900
Die Füße sehen aus, als seien sie angesetzt. Die Nähte sind so angebracht, dass sie diesen Eindruck unterstützen.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Modell “Berlin” S. 6, Nr. 26.

In einem japanischen Katalog einer Pressglas-Ausstellung vom Suntory Museum in Tokio ist eine Schale mit gewelltem Rand gezeigt (Nr. 343, Dm.:13,9 cm). Die drei Füße ähneln denen einer Schale mit Rittermarke. Leider kann ich der japanischen Beschriftung nichts über eine Zuweisung oder Marke entnehmen.

Auf den Teller im Corning Museum ist schon von Frau Billek in PK Abb.03/2000/141 hingewiesen worden. Mir scheint er interessant, weil er „greenish bubbly non-lead glass“ aufweist. Im Zentrum, wo wir so häufig die Rittermarke finden, ist eine leere Aussparung. Das Stück ist nach England zugewiesen.

Der weiße Teller bei Belknap 6. Aufl. 1972, S. 21, Nr. 17c, hat offensichtlich ebenfalls ein freies Feld im Zentrum. Der Teller aus  Milchglas, der bei Lee / Rose 1948 / 1985 Abbildungstafel 115, Nr. 820, von der Rückseite abgebildet ist, lässt wegen der schlechten Fotografie keine Aussage zum Zentrum zu. Dort wird aber im Text  zum Teller (S. 389, Nr. 820) unsere kontinentale Erfahrung vollends auf den Kopf gestellt, denn während wir bisher fast ausschließlich mit Stücken aus klarem Glas zu tun hatten,  sagen die Autoren: “No clear glass specimens have been reported, but opaque-white and opaque-turquoise-blue examples are not uncommon. Clear, not opaque, medium blue and light amethyst specimens are much rarer.”

Abb. 06-2000/106
Eimer mit Holzimitation und Montierung
aus Franke 1990, Abb. 970 d
Sammlung Franke 970 d
blaues, durchscheinendes Glas, H 10,0 cm, D 8,5 cm
Marke: Rittermarke ohne Kreis
Eimer mit Blechmontierung

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Ein Milchkännchen aus durchscheinendem blauen Glas mit Anlauffärbung am Rand, sicherlich aus England, scheint dies zu bestätigen. Die Verwendung des Dekors in Leerdam und skandinavischen Hütten ist schon erwähnt worden.

Bei aller Internationalität scheint in Deutschland der Dekor besonders mit der Rittermarke verbunden zu sein. Die Glasmasse ist mitunter blasig; viele Gläser haben einen scharfkantigen Abdruck. Bei anderen ist, wie schon in der PK 03/2000 dargestellt, das Mäandermuster ungleichmäßig und manchmal nur schwach. Dies gilt gleichermaßen  für die Marke. Zwar ging man offensichtlich davon aus, eine kleine Marke so detailreich wiedergeben zu können, doch weisen die tatsächlichen Abdrücke die gesamte denkbare Spannweite auf: einige  wenige sehr scharf, die meisten noch gut erkennbar und einige undeutlich bis zu fast verschwindenden Schemen.

Vergleicht man die Marke mit den Abbildungen auf den Etiketten der Firma von Streit, so kommen mir bei der Zuweisung Bedenken.  Würde man die Maßstäbe der Heraldiker anlegen, dann wäre das Vertauschen von Schwert und Morgenstern gravierend. Und auch eine Helmzier, die mal gerade und mal schräg als Bekrönung dient,  wäre nicht unbedeutend. Aber Glashütten müssen sich sicher nicht allzu strenge Eingrenzungen zueigen machen. Dennoch wünscht man sich einen Beleg über eine Musterbuchseite oder ein mit Sicherheit in  der Hütte hergestelltes Glas. (In Firmendepots befinden sich auch „Vergleichsstücke“ aus anderen Hütten.)

Fraglich bleiben noch die Gläser, bei denen die Rittermarke fehlt, insbesondere diejenigen, die im Zentrum Freiräume aufweisen. Ein zufälliges Weglassen einer Rosette erscheint wenig plausibel, weil es ja auch Gläser mit vollständig geschlossenem Dekor gibt.

Als mögliche Erklärung erschien mir immer, dass wir nicht nur eine herstellende Hütte, sondern zusätzlich noch einen Auftraggeber suchen, beispielsweise einen Glashändler, der seine Rittermarke einpressen ließ. Nach dem Ausscheiden des Auftraggebers aus dem Vertrag presste die Hütte weiterhin einige Modelle, dann ohne Marke.  [Anm. Geiselberger: 1916 wurden die Glaswerke von den Gebr. von Streit an den Kommerzienrat Josef Kaiser verkauft, damals könnte die Rittermarke aus den Pressformen entfernt worden sein.]

Eine wahrscheinlichere Lösung wäre aber eine „neutrale“ Formenfabrik, die die Modelle anbot und für eine Hütte zusätzlich mit  Rittermarke versah. Die Gläser bei Belknap 1949 und Spillman 1991, die keine Marke, aber ein freies Feld tragen und farblich von unseren Gläsern abweichen, könnten mit einer solchen Hypothese erklärt werden.

Abb. 06-2000/107
Sahnekännchen mit Dekor Mäander und Rosetten
Sammlung Franke, Nr. 750
blaues Glas mit heller Anlauffärbung, H 9,0 cm, L 10,4 cm
Keine Marke
Wohl England, um 1880
Glasmasse und Anlauffärbung ähneln den englischen Stücken sehr.

Eine große Abbildung dieses Glases am Ende des Textes.
 

Abb. 06-2000/108
Butterdose mit Dekor "Mäander und Rosetten",
Sammlung Franke, Nr. 312
farbloses Glas, H 11,0 cm, D 16,0 cm,
Marke: Rittermarke im Perlenkranz, Deutschland, um 1900
Im Deckel umlaufender Schriftzug: "Hoflieferant Gebr. Manns".
Die Firma Gebr. Manns war ein Berliner Lebensmittelgeschäft.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Modell “Berlin” S. 2, Nr. 3469.
Im Musterbuch an Stelle des Schriftbandes der Mäander-Dekor im Deckel.
                            
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Schale m Marke 

Abb. 06-2000/109
Schale mit Mäander- und Rosetten-Muster
Sammlung Franke, Nr. 313
farbloses Glas, H 2,7 cm, D 21,9 x 12,9 cm
Marke: Rittermarke ohne Kreis
Deutschland, um 1900
Der Henkel ist durchbrochen gepresst.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Modell “Berlin” S. 11, Nr. 13.

 Schreibzeug
Abb. 06-2000/110
Schale mit zwei gepressten Einsatzringen
Sammlung Franke, Nr. 314
farbloses Glas, H 2,7 cm, D 22,0 x 12,9 cm
Marke: Rittermarke ohne Kreis
Deutschland, um 1900
Wahrscheinlich für Tintengläser bzw. Tinte und Streusandbüchse vorgesehen.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), “Tintenfässer, gepreßt, mit vernickelten Metalldeckeln” [bei den Einsatzgläsern], S. 36, Nr. 17.

Abb. 06-2000/111
Schale mit farbigem Foto von Gera
Sammlung Franke, Nr. 1001
farbloses Glas, H 2,7 cm, D 22,1 x 13,2 cm
Keine Marke
Deutschland, um 1900
Vgl. PK Abb. 03-2000/136, Sammlung Billek
Die geringfügig abweichenden Maße sind wohl auf Verformungen zurückzuführen.
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), “Oblong-Teller “Berlin”, mit glattem Boden”,
S. 44, Nr. 13. Der Abschnitt im Musterbuch ist überschrieben:  “Aschenschalen etc. zum Unterkleben mit Ansichten oder Reklame”.


Abb. 06-2000/112
Schale mit Foto von Driesen (monochrom, Sepiaton)
Sammlung Franke, Nr. 1002
farbloses Glas, H 2,7 cm, D 21,8 x 13,1 cm
Marke: Rittermarke im Kreis
Deutschland, um 1900
Die Marke ist rechts neben dem Foto zu sehen. Richtiger wäre sie auf der linken Seite neben dem Foto, denn so steht sie auf dem Kopf. 
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), “Oblong-Teller “Berlin”, mit glattem Boden”,
S. 44, Nr. 13. Der Abschnitt im Musterbuch ist überschrieben:  “Aschenschalen etc. zum Unterkleben mit Ansichten oder Reklame”.

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Abb. 06-2000/113
Ovale Schale
Sammlung Franke, Nr. 309
farbloses Glas, H 4,7 cm, D 23,8 x 18,1 cm
Marke: Rittermarke im Perlenkreis
Deutschland, um 1900 
Vgl. Musterbuch von Streit (1913), Modell “Berlin” oval,
S. 6, Nr. 24.

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Sahnekännchen mit Dekor Mäander und Rosetten
Sammlung Franke, Nr. 750
blaues Glas mit heller Anlauffärbung, H 9,0 cm, L 10,4 cm
Keine Marke
Wohl England, um 1880
Glasmasse und Anlauffärbung ähneln den englischen Stücken sehr.